30. OKTOBER 2018

Ein schöner Tausch

 

Er steht im Sommer schön prominent vor dem Haupteingang, täglich auf Hochglanz poliert, kein Stäubchen, kein Fleckchen, nichts. Er, der durchaus schon ein wenig in die Jahre gekommen ist, darf sich zeigen: der Rolls Royce Phantom (Baujahr 1952). Das Flaggschiff des Hauses hat schon einiges erlebt. Es hat in Filmen mitgespielt, es hat königliche und politische Grössen herumchauffiert. Und das Phantom kam eigentlich mehr per Zufall zum Inventar des Hauses.

 

Ursprünglich gehörte der Rolls Royce nämlich einem wohlhabenden Handelsmann aus Ägypten. Dieser liebte nicht nur schöne Autos, sondern vor allem auch das Gstaad Palace. Oft und lange weilte er im edlen Palast in den Schweizer Bergen, stets seinen Schweizer Rolls an seiner Seite, den er bei einer Garage in Ouchy stehen hatte, wenn er nicht im Lande war. Er nutzte das schöne Gefährt, von denen er – so geht die Saga – durchaus einige in seinem Stall wusste, für Ausfahrten ins Grüne, für seine geschäftlichen Abstecher nach Lausanne und Genf. Und ab und an natürlich auch für ein Spritzfährtchen mit der Direktion. 

 Die zündende Idee

1955 muss es gewesen sein, Herr Smuha verbrachte wieder einmal mit seiner Entourage mehrere Wochen bei der Familie Scherz im angenehmen Bergsommer, fernab von Pyramiden und dem hektischen Kairo. Da kam man ins Gespräch, Ernst Scherz – der Grossvater des heutigen Besitzers Andrea Scherz – war den schönen Dingen im Leben ebenfalls zugetan. Und ein Wort gab das andere, Smuha und Scherz kamen ins Verhandeln, fast wie auf dem Bazar. Ob er denn nicht auch in Naturalien bezahlen könne, wollte der tüchtige Händler aus Nordafrika unverblümt wissen. Ernst Scherz, vermutlich aus einer Laune heraus, zeigte sich nicht abgeneigt. Und so blieb am Ende der Saison der Rolls Royce für immer in Gstaad. Ein Geschäft, von dem alle etwas hatten: Familie Smuha natürlich mit ewigem Vortritt auf freie Fahrt, wenn sie jeweils im Saanenland weilte. Und das Palace verfügte fürderhand über eine stattliche Karosse, die für die offiziellen Transfers vom Bahnhof Gstaad ans Oberbort zum Einsatz gelangte.

Ein Filmstar und mehr

Und vieles mehr noch hat der Palace-Rolls Royce unterdessen erlebt. So spielte er beispielsweise eine nicht unerhebliche Rolle im Hollywood-Blockbuster «The Return of Pink Panther» im Jahre 1975. Der Rolls holt dort nämlich Lady Claudine Lytton alias Catherine Schell, die Inspector Clouseau alias Peter Sellers in Gstaad auf die falsche Fährte lockt, vom Bahnhof ab. Oder er hatte Margaret Thatcher und ihren Mann an Bord, während der Zeit, als sie inkognito im Palace ihre Memoiren verfasste. Auch Monsieur le Président Jacques Chirac liess sich damit die Gegend chauffieren. Und Stars wie Elton John, Isabelle Adjani oder John Travolta, die liebten es, wenn das Phantom auf sie in Gstaad wartete. Am Steuer des wunderschönen Gefährts übrigens sitzt eigentlich nur einer: Manolo, der Voiturier und Mann für alle Fälle. Seit über 45 Jahren ist er im Hause am Werk. Er – und eigentlich nur er – hat die «Licence to drive».

Voll in Fahrt – die besten Momente im Leben des Palace-«Phantoms»

Gstaad Palace Challenge – für Vintage-Fans

Jedes Jahr sind sie im Palace zu Gast: die schönen Veteranen und heissen Boliden aus vergangenen Jahren und Jahrzehnten. Die «Gstaad Palace Challenge» versammelt sie zu einer abenteuerlich-vergnüglichen Rallye über alle Berge. Der Gastgeber – Andrea Scherz, auch er ein passionierter Vintage-Fan – ist stets auch mit von der Partie, nicht jedoch mit dem «Phantom», sondern eher mit einem rassigen Alfa Romeo.

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