21. März 2019

2291 – ein Buch mit sieben Siegeln?

2291. Eine magische Zahl. 2291 steht für 1000 Jahre Schweiz. Was wird dann sein, wie wird unser Land, wie wird Gstaad dannzumal ausschauen? Das fragen sich viele. Und auch ich habe mich dies gefragt, als ich einen Beitrag für das Buch «2291 – 70 Schweizer Persönlichkeiten beschreiben die Schweiz an ihrem 1000. Geburtstag» verfassen durfte.

Eines vorweg: Ich bin kein Prophet. Ich bin Hotelier – und damit unmittelbar von grossen Veränderungen betroffen, die momentan unsere Branche umwälzen. AirBnB, booking.com, Uber – sie alle stellen unser Geschäftsmodell auf den Kopf. Sie fordern uns traditionellen Gastgeber tüchtig heraus. Und manchmal frage ich mich schon: Wird es unser Haus, diesen ehrwürdigen Palast aus dem Jahre 1913, in 250 und mehr Jahren noch geben?

Viele Gründe sprechen dafür. Denn unser weisses Märchenschloss, gebaut vor 106 Jahren, ist alles andere als konventionell. Eher schon ist es ein Ufo, ein Traumobjekt aus dem Ferienwunschhimmel. Und genau mit diesem Ufo namens Palace kam auch der Tourismus im Saanenland ins Rollen. Dies dank einem visionären Sekundarlehrer namens Robert Steffen, der unbedingt ein Luxushotel am Oberbort bauen wollte. Und wenn da nicht gleichzeitig auch noch ein paar verrückte Bähnler gewesen wären, welche die Montreux-Berner Oberland-Bahn unbedingt einen Umweg haben fahren lassen wollen… – wer weiss, wo wir heute stünden. Diese Extra-Schlaufe von Saanen nach Saanenmöser via das No-Mans-Land «Gstaad» verdanken wir nämlich diesen bahnbrechenden Visionären. Und dieser Umweg, der bringt’s. Bis heute: Er bringt uns Touristen. Ohne sie und mutige Investoren wäre Gstaad heute nichts. Oder besser gesagt: nicht gerade nichts. Aber sicher kein Tourismusmagnet – und ein Palace gäbe es schon gar nicht. Die Familie Scherz, die wäre wohl irgendwo im Emmental oder wo auch immer und würde Kühe hüten statt Rich Kids und bunte Vögel.

Und damit sind wir auch beim Schlüssel auf die Frage: Wie wird die Schweiz im 2291 ausschauen? Die Antwort liegt für mich auf der Hand: Die selbsterfinderische Schweiz wird als kleines feines Land weiterexistieren, auf diesem verrückten Planeten. Die Schweiz wird immer noch ein Musterfall sein – eine mutige Vorreiterin für Tradition und Innovation, für eine stolze Vergangenheit und ein Ort für verrückte Ideen. Für geniales Erfindertum, das Hand und Fuss hat. Und: Die Schweiz wird hoffentlich auch in 250 Jahren noch ein Ort der gelebten Demokratie sein, wo wie hier bei uns in Gstaad 7000 Kühe im Einklang mit 7000 Menschen leben.

Bezogen auf unsere Familie Scherz und 2291 wünsche ich mir, dass meine Urururururgrosskinder hoffentlich diesen Palast hegen und pflegen, wie wir es tun: mit Herz und Seele. Im 2291 holen sie vielleicht ihre Gäste mit Drohnen statt dem Rolls Royce am Space-Bahnhof Geneva West ab. Die Suiten sind bestückt mit Wänden, die sprechen und ihre Farbe nach Lust und Laune des Bewohners wechseln... Vielleicht aber auch nicht. Hoffentlich werden sich unsere Nachfahren auf jene Schweizer Werte besinnen, die auch im 2291 noch gültig sein werden: Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Gastfreundschaft. Wir sind nicht Fake, wir sind kein Bluff, wir sind, wie wir sind: authentisch, echt, anders. Ich verspreche Ihnen: Ich tue alles, dass die Zeit hier im Palace nicht stehen bleibt, aber dass die gute alte Zeit auch ihren Platz hat, nebst allem Modernen, was wir hier tun werden. Oder anders gesagt: Obwohl ich ein Ufo-Besitzer bin, will ich nicht «abspacen», sondern mit beiden Beinen am Boden bleiben. Gut schweizerisch eben.

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